Donnerstag, 29 Juni 2017
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Wasserschildkröten im Koiteich

VieleTeichbesitzer erwägen früher oder später sich auch Wasserschildkröten zuzulegen.Verlockend ist die Vorstellung einige dieser ansprechenden Tiere im Koiteich mitzupflegen. Ab und zu laufen Wasserschildkröten auch einfach zu und werden als Findelkinder aufgenommen. Der Koiliebhaber sei aber gewarnt: viele Probleme können sich durch diese Mitbewohner einstellen. Daher einige warnende Worte.

• Ein Koiteich ist von der Anlage her meist nicht für Wasserschildkröten geeignet: die Uferregion ist zu steil und der Teich meist auch zu tief. Die Schilkröten sind umgebungswarme (poikilothereme) Tiere – wie die Fische auch – und können daher bei geringen Wassertemperaturen nur sehr schlecht schwimmen. Bei Temperaturen unter 12° C schaffen sie es nur sehr schwer aus mehr als 1m Tiefe zum Luft holen an die Wasseroberfläche zu gelangen und können ertrinken. Vorallem die subtropischen Schmuckschildkröten (Gattungen Trachemys, Chrysemys und Graptemys) sind für unsere Klimazone nicht geeignet.

Die Gattung Chrysemys kommt zwar bis in südliche Kanada vor allerdings sind auch dort die Klimabedingungen deutlich anders als bei uns. Für all diese Tiere kommt nur eine Freilandhaltung in einem Teich mit ausgedehnter Flachwasserzone in den Monaten Mai bis höchstens Ende September in Frage. Dann sollten die Tiere in ein beheiztes Aquaterrarium im Haus übersiedeln. Zu bedenken ist auch,dass die in den Soomermonaten „verwilderten“ Tiere in einementsprechend grossen Teich oft sehr schwer zu fangen sind.

Von einer Überwinterung im Freien wird dringend abgeraten !

• Die meisten Schmuckschildkröten erreichen auch nach wenigen Jahren eine erhebliche Körpergröße: 25 – 30 cm für weibliche Tiere ist dabei keine Seltenheit. Die Futteraufnahme und damit die Schadstoffbelastung des Teiches ist ernorm. Das biologische Gleichgewicht des Teiches ist dadurch gefährdet. Ein nicht optimaler Stickstoffabbau, Probleme mit der Filterung können für die Koi dramatische Folgen haben. Vorallem in den Sommermonaten kann der Sauerstoffgehalt des Wassers durch die Schadstoffe dramatisch absinken.

Wasserschildkröten sind zwar Gemischtköstler, nehmen grosse Mengen an pflanzlicher Nahrung zu sich (nur wenige Arten sind Nahrungsspezialisten und verlangen Krebstiere oder gar Muscheln), aber sie sind dennoch Jäger und können dadurch die Teichfische ordentlich in Bedrängnis bringen. Die eine oder andere Flosse kann daran glauben müssen – grobe Verletzungen der Fische sind aber eher die Ausnahme.

• Wasserschildkröten sind im Gegensatz zu den Fischen hervorragend gegenüber der Umwelt durch ihre Haut und den Hornpanzer geschützt. Aussenparasiten sind daher sehr selten. Die Belastung mit Innenparasiten (Hexamiten, Entamöba, Salmonella,Giardia etc.) kann sehr hoch sein. Diese Parasiten werden auch ständig mit dem Kot ins Wasser abgegeben und stellen eine latente Infektionsquelle für die Koi dar.

• Die Haltung von Schildkröten unterliegt der 2.Tierhalteverordnung gem. Tierschutzgesetz. Damit ist die Haltung von diesen Tieren zum einen MELDEPFLICHTIG (bei der BH) und der Aufbau eines Freigeheges genau geregelt. Insbesondere betrifft das das  Angebot an Ruheplätzen und Landteilen sowie die ausbruchsichere Umzäunung des Teiches (Faunenverfälschung). Siehe: www.ris.bka.gv.at : BGBl. II – Ausgeg. am 17. Dezember 2004 - Nr. 486, Anlage 3.

• Sollte man sich dennoch mit Wasserschilkröten befassen wollen, so kann  nur die einheimische Europäische Sumpfschildkröte (Emys orbicularis) empfohlen werden. Jungtiere werden von Züchtern abgegeben (Herkunftsnachweis notwendig, meldepflichtig!). Beim Ankauf sollte man sich vergewissern, dass die Elterntiere aus mitteleuropäischen Vorkommen abstammen und nicht etwa aus Sizilien oder Südgriechenland.

Emys orbicularis wird selten grösser als 15 cm, ist eine ruhige Wasserschilkröte, die man mit einer Vielzahl von Futtermitteln ernähren kann. Sie schätzt Proteine nimmt aber auch pflanzliche Stoffe auf; Spezielles Fertigfutter bietet der Zoofachhandel. Bei ihr ist eine ganzjährige Haltung im Teich gestattet – sofern die Anlage des Teiches das zuläßt. Schildkröten überwintern NICHT am Grund des Teiches sondern unter Schilfsoden im Uferbereich, oft auch im feuchten Erdreich im Randbereich des Teiches.

• Abschließend sei noch darauf hingewiesen, dass man beim der Pflege von Wildtieren (und das ist eine Wasserschildkröte) verpflichtet ist sich über die Haltung  laufend zu informieren.  Das Buch: Haltung von Wasserschildkröten von Andreas S. Hennig, Natur und Tier-Verlag;2007; kann hier wirklich empfohlen werden. Diversen Angaben auf Internet sollte man kritsch gegenüberstehen.

Prof. Mag. Peter F. Keymar, Lehrbeauftragter für Tierhaltung der WKO/WIFI