Freitag, 18 August 2017
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Koi –Varietäten

 

Koi –Varietäten

Koi existieren in den schönsten Farben, sie faszinieren mit Glitzerschuppen, Tiefrot, Lackschwarz oder metallischem Erscheinungsbild. Ihre Zeichnungen und Färbungen sind dabei nicht zufällig entstanden, sondern das Ergebnis traditionsreicher Zucht und strenger Selektion. So drängt sich dem Koiliebhaber oft die Frage auf, wie sich seine Koi denn einordnen und bestimmen lassen.

Gleich vorweg: nicht jeder Koi entspricht den Varietätenanforderungen, kann somit nicht eindeutig einer bestimmten Gruppe zugeordnet werden, dennoch kann jeder Koi im eigenen Teich zum Liebling werden, zeigt doch jeder dieser Zierkarpfen sein eigenes Verhaltensmuster und seine eigenen Liebenswürdigkeiten, die uns Menschen so in seinen Bann ziehen. Um die 200 Varietäten nennt ein Japaner – oft unterscheiden sie sich nur durch feineNuancen. Um jedoch die Grundordnung zu erkennen, werden Koi wie folgt in 15 Gruppen aufgeteilt:

 

1.KOHAKU

2.TAISHO SANSHOKU (KURZ: SANKE)

3.SHOWA SANSHOKU (KURZ: SHOWA)

4.BEKKO

5.UTSURIMONO

6.ASAGI

7.SHUSUI

8.KOROMO

9.KAWARIMONO

10.GOSHIKI

11.HIKARI MUJIMONO

12.HIKARI MOYOMONO

13.HIKARI UTSURIMONO

14.KINGINRIN

15.TANCHO

 

Die ersten drei Gruppen werden mit „Gosanke“ bezeichnet und sind klassisch schön. Ein Teich, der ausschließlich mit Kohaku, Sanke und Showa besetzt ist, strahlt eine besondere Eleganz und Klarheit aus.

 

1.Kohaku

Der Kohaku ist ein weißer Koi mit roter Zeichnung, die klar abgegrenzt und ausgewogen verteilt sein sollte. Sein Weiß soll möglichst rein und hell sein, hier sollten die Schuppen an einen Golfball erinnern und sichtbar sein. Auch seine Flossen sind rein weiß. Die rote Farbe soll auf dem weißen Fisch idealerweise wie eine Decke aufliegen, also nicht tiefer als über die Seitenlinie hinaus reichen. In den rot gefärbten Körperpartien soll die Schuppenstruktur unauffällig, am besten fast unsichtbar sein. Die Augenfarbe von Kohaku ist meist weiß mit schwarzem Rand. Seine Kopfform eher abgerundet und stumpf. Bei vielen Wettbewerben schneiden Kohaku als bester Fisch ab. In Japan ist der Kohaku der mit Abstand beliebteste Fisch, wobei dort weniger auf die Zeichnung, als vielmehr auf die gute Körperform eines Koi geachtet wird.

 

2.Taisho Sanshoku (Sanke)

Auch hier handelt es sich um einen Koi mit weißer Grundfarbe. Die Silbe „San“ in seiner Bezeichnung deutet bereits auf die Anzahl der auf ihm vereinten Farben hin, denn „San“ist das japanische Wort für „drei“, und tatsächlich weist dieser Koi neben Weiß noch die Farben Rot und Schwarz auf. Die Verteilung und Anforderungen an das Rot sind identisch mit denen des Kohaku, zusätzlich liegt jedoch auch noch partiell Schwarz auf diesem Fisch, welches aber idealerweise niemals im Kopfbereich auftreten sollte. Auf den Brust -und Schwanzflossen sind wenige schwarze Streifen erwünscht. Die Farben rot und schwarz sollen ebenfalls nur auf der Rückenpartie verteilt sein und sich nicht tiefer als das Seitenlinienorgan zeigen.„Taisho“, der erste Teil des kompletten Namens des Sanke, ist die japanische Epoche von 1912 bis 1926 und deutet auf die Zeit erster Zuchterfolge dieser Varietät hin.

 

3.Showa Sanshoku (kurz Showa)

„Showa“ bezeichnet ebenfalls eine japanische Epoche (von 1926 bis 1989), in der der Showa zum ersten Mal gezüchtet wurde. Genau wie beim Sanke, deutet die Namenssilbe „San“ auf die Dreifarbigkeit des Showa hin. Auch hier sind es die Farben Weiß, Rot und Schwarz. Allerdings ist die Grundfarbe des Showa nicht Weiß wie bei den anderen beiden Gosanke -Vertretern, sondern Schwarz, auf dem Rot und Weiß aufliegt.Dabei wird jedoch nicht danach beurteilt, welchen prozentualen Anteil die Farben weiß oder schwarz auf dem Koi einnehmen, sondern danach, dass bei dieser Varietät die schwarze Farbe auch im Bauchbereich sichtbar ist. Schwarz befindet sich beim Showa auch an den Brustflossenansätzen (Motoguro genannt)und neben Rot und Weiß auch im Kopfbereich, im besten Fall angeordnet wie ein Blitz.

 

4.Bekko

„Bekko“ ist die japanische Bezeichnung für Schildpatt. In der Tat erinnert seine schwarze Zeichnung an den gemusterten Panzer einer Schildkröte. Der Bekko existiert in drei Grundfarben: weiß (Shiro Bekko), rot (Aka Bekko) oder gelb (Ki Bekko). Auf diesen Grundfarben liegt wie bei einem Sanke jeweils oberhalb des Seitenlinienorgans die schwarze Zeichnung auf. Ebenfalls wie beim Sanke darf im Kopfbereich kein Schwarz zu sehen sein und es sollten wenige schwarze Striche auf den Brustflossen und der Schwanzflosse existieren. Beim sehr seltenen Ki Bekko und auch beim Aka Bekko sind die Brustflossen meistens weiß.

 

5.Utsurimono

Wie beim Bekko, handelt es sich bei den Utsurimono-Koi um zweifarbige Koi, jedoch ist die Grundfarbe Schwarz wie beim Showa mit Zeichnungen in Weiß (Shiro Utsuri), Rot (Hi Utsuri) oder Gelb (Ki Utsuri, KinKi Utsuri). Auch weist der Kopf der Utsurimono immer wie beim Showa Schwarz auf. Ebenso ist das Motoguro (schwarzer Brustflossenansatz) wie beim Showa erwünscht.Eine saubere Abgrenzung der lackschwarzen Felder zur aufliegenden Farbe ist wichtig, genauso wie ein hoher Schwarzanteil, der sich im Idealfall wie gespiegelt auf dem Fisch abwechselnd auf dem Fischkörper verteilt. Wen wundert es, denn „Utsuri“ bedeutet „gespiegelt“.Das Rot der heutigen Hi Utsuri ist eher orange, tiefrote Vertreter sind aktuell sehr selten. Genauso ist es äußerst schwierig, einen zitronengelben Ki Utsuri zu finden, meist sind die gelben Utsurimono Kin Ki Utsuri mit metallischem Gelb, die somit den später aufgeführten Hikari Utsurimono zuzuordnen sind

 

 6.Asagi

 Asagi mit ihren völlig abweichenden Farben zu den bisher genannten Koi-Varietäten erfreuen sich in Österreich großer Beliebtheit. Das edle graublaue Netzmuster der Rückenbeschuppung auf dezent durchscheinender weiße Unterhaut, steht im interessanten Kontrast zu ihrem strahlenden Orangerot auf der Wangenregion, den Brustflossen und dem Bauch.Der Kopf sollte hell und ohne Sprenkel sein, bei älteren großen Exemplaren darf er nachdunkeln. Asagi sind der Wildform der Karpfen recht nahe. Vielleicht erklärt sich hiermit auch sein eher scheuer Charakter, denn die wenigsten Asagi werden handzahm.

 

 7.Shusui

 Vor rund einem Jahrhundert kreuzten japanische Züchter deutsche Spiegelkarpfen in ihre Koi ein. Spiegelkarpfen besitzen nahezu keine Schuppen, sondern lediglich eine Schuppenzeile rechts und links der Rückenflosse entlang, deren Schuppen allerdings recht groß sind. Koi, die solch eine Beschuppung aufweisen, werden „Doitsu“ genannt, der japanischen Bezeichnung für „deutsch“. Man sieht aber auch Varietäten, deren Schuppen der Schuppenzeilen wesentlich kleiner sind, die auf das Einkreuzen von Lederkarpfen zurückzuführen sind. Während bei den meisten Varianten die unbeschuppten Vertreter einfach durch Voranstellung der Ergänzung Doitsu benannt werden (z.B. Doitsu Kohaku), erhält der „Doitsu Asagi“ stattdessen seine eigenen Bezeichnung: Shusui. Sie zeigen blaugraue Spiegelschuppenzeilen rechts und links ihrer Rückenflosse entlang sowie rote Flanken, der Kopf sollte wie beim Asagi hellfarben sind.

 

8.Koromo

Wie der Kohaku, besitzt ein Koromo auf seiner weißen Grundfarbe eine rote Zeichnung. Auf diesem Rot liegen bei ihm jedoch zusätzlich noch blaue oder schwarze Schuppenränder auf. Am häufigsten trifft man den Ai Goromo an, dessen Körperzeichnung komplett gleichmäßig blaurot unterlegt ist, während sein Kopfrot keine Farbeinschlüsse aufzeigen soll. Der seltenere Sumi Goromo wirkt insgesamt wesentlich weinroter und auch sein Rot im Kopfbereich ist dunkel unterlegt. Noch seltener ist der Budo Goromo zu finden, dessen Zeichnungsmuster traubenbeerenförmig wirkt. Interessant sind auch Goromo Sanke und Goromo Showa, die die oben beschriebenen Merkmale des Sanke oder des Showa aufweisen, bei denen jedoch durch die blauen oder schwarzen Schuppenränder das Rot dunkel wirkt.

Übrigens: Während die gesamte Gruppe dieser Varietät mit K geschrieben wird („Koromo“), beginnen die einzelnen Untervarietäten mit einem G.

 

9.Kawarimono

Kawarimono werden alle Koi genannt, die nicht in die bisher beschriebenen Kategorien passen und außerdem nicht metallisch glänzen. Hierzu zählt man beispielsweise den braunen Chagoi, den gelben Kigoi, den grünen Midorigoi und den Ochiba-Shigure. Aber auch Kumonryu, Matsuba und Kikokuryo werden zu dieser Gruppe gezählt. Früher wurde auch der thematisch dazu passende fünffarbige Koi, Goshiki dieser Gruppe zugeordnet, inzwischen wurde ihm aber eine eigene Einordnung zugesprochen.

 

10.Goshiki

 „Goshiki“ bedeutet auf japanisch „Fünffarbig“, mit diesem Begriff sollen somit fünffarbene Koi bezeichnet werden. Diese fünf Farben eindeutig auf einem Fisch zu finden bzw. zu bestimmen, fällt allerdings oft schwer: Weiß, Rot, Schwarz, Blau und Dunkelblau sollten auf ihm vereint sein. Die Körpergrundfarbe ist nicht definiert.

 

11.Hikari Mujimono

„Hikari“ ist die japanische Bezeichnung für „glänzend“. In der Gruppe der Hikari Mujimono werden somit metallisch glänzende, einfarbige Koi zusammen gefasst (mehrfarbige metallisch glänzende Koi folgen unter Punkt 12 Hikari Moyomono). Bekannt sind hier der gelbe Yamabuki Ogon und der weiße Platinum Ogon. Ogon - Koi sollten ein perfektes Schuppenkleid aufweisen, die wie die Oberfläche eines Golfballes wirken soll.

 

12.Hikari Moyomono

Mehrfarbige, metallisch glänzende Koi werden unter der Gruppe Hikari Moyomono zusammengefasst. Der gelbweiße Hariwake, der Kikusui mit rotorangenem Muster auf platinweißem (schuppenlosen) Untergrund, der Kujaku (wie ein metallischer Goshiki) und der sehr beliebte Yamatonishiki (wie ein Sanke, jedoch mit metallischem Glanz) sind bekannte Vertreter dieser Gruppe.

 

13.Hikari Utsurimono

Mit der dritten Gruppe der metallicfarbenen Koi finden Showa und Utsuri, die metallischen Glanz zeigen, ihre Zuordnung. Sie nennen sich Kin Showa (goldfarben mit metallischem Rot), Gin Showa (silberfarben mit Orangerot), Kin Hi Utsuri und Kin Ki Utsuri (metallisch Gelb).

 

14.Kinginrin

„Gold-Silber-Schuppe“ ist die direkte Übersetzung des Begriffes Kinginrin. Koi dieser Varietät weisen mindestens 20 Schuppen mit Glitzereffekt auf. Sie unterscheiden sich von den gesamt glänzend metallischen Koi durch einzelne glänzende Schuppen. Glanzschuppen auf roter Zeichnung wirken dabei golden, diejenigen auf schwarzem oder weißem Untergrund silberfarben.

 

15.Tancho

Alle Varietäten, die außer einem roten Fleck im Kopfbereich kein weiteres Rot am Körper aufweisen, werden Tancho bezeichnet. Das Wort „Tancho“ wird der Varietätenbezeichnung vorangestellt. So gibt es z.B. den Tancho Kohaku (rein weißer Koi mit rotem Stirnpunkt, der an die neue japanische Flagge erinnert), den Tancho Sanke (weißer Koi mit schwarzen Tupfen am Körper und dem roten Stirnpunkt) und den Tancho Showa, der zusätzlich zu den schwarzen Tupfen auf seinem Körper auch am Kopf Schwarz zeigt. Der Tanchofleck sollte möglichst kreisrund zwischen den Augen sitzen, er darf aber auch oval, herzförmig oder quadratisch aussehen. Daneben gibt es zu den meisten Varietäten noch Sonderformen wie zum Beispiel:

 

a) Kanoko

„Rehkitz“ lautet die Übersetzung dieser Bezeichnung. Koi, bei denen einzelne farbig abgesetzte Schuppen wie die Punkte auf dem Fell eines Rehkitzes über dem Fisch verteilt sind, wird die Bezeichnung Kanoko vor den Varietätennamen gestellt (z.B. Kanoko Showa). Die einzelnen, sommersprossengrossen und meist rot gefärbten Schuppen sollten dabei gleichmäßig im Weißbereich des Körpers verteilt sein. Gute Kanoko Koi zu finden, ist nicht einfach. Auch kann der Fisch seine Kanoko-Zeichung verlieren, da diese Musterung recht instabil ist.

 

b)Doitsu

 Anfang des 20. Jahrhunderts aus Deutschland importierte Spiegelkarpfen waren die Eltern und Namenspaten der fast schuppenlosen Koi. Wie ihre Ahnen, haben diese Koi nur seitlich entlang der Rückenflosse eine Schuppenreihe, deren Schuppen allerdings besonders groß sind. Manche Doitsu-Koi besitzen diese Schuppenzeile auch entlang des Seitenlinienorgans. Daneben existieren Doitsu-Koi mit kleinen Schuppen entlang der Rückenflosse, die auf das Einkreuzen von Lederkarpfen zurückzuführen sind. Doitsu-Koi gibt es in allen Varianten, meist wird die Bezeichnung „Doitsu“ dem Varietätennamen vorangestellt –mit Ausnahme des Shusui (eigentlichein Doitsu Asagi) und des Kumonryo, die einen Eigennamen erhalten haben. Interessant und selten sind Doitsu-Koi, deren wenige Schuppen zusätzlich einen Ginrin-Effekt zeigen.

 

c)Butterfly

Bei Koi, deren Flossen deutlich verlängert gezüchtet sind, stellt man die Bezeichnung „Butterfly“ vor den Varietätennamen. Butterfly-Koi sind nicht sehr verbreitet, es wird auch diskutiert, ob diese Varietät aufgrund ihrer schwerfälligen Schwimmbewegungen nicht sogar zu den Qualzuchten gezählt werden müsste.

 

d)Kage

 Showa und Utsuri, die auf ihrer weißen Zeichnung ein Netzmuster zeigen, werden mit „Kage“ bezeichnet. Kage heißt übersetzt „Schatten“.